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Der 30 jährige Krieg

Bereits während der ersten Hugenottenkriege waren die evangelischen Länder Deutschlands sichere Zufluchtsstätten für die Flüchtlinge. Besonders als in den Niederlanden, dem Mündungsgebiet von Rhein, Maas und Schelde, seit 1567 die Gegenreformation unter Herzog von Alba, dem Statthalter des spanischen Königs mit großer Härte durchgeführt wurde, flohen viele Familien nach Deutschland. Dort gründeten sie eine Reihe von Wallonengemeinden, u.a. Frankenthal, Mannheim, Heidelberg und Hanau, um nur einige zu nennen, aus denen später Familien weiter in die Uckermark zogen.

Doch auch im Deutschen Reich tobte von 1618-1648 ein erbitterter Krieg  zwischen den evangelischen Fürsten unterstützt durch Dänemark und Schweden gegen die katholischen Habsburger, die über Spanien, Österreich, die spanischen Niederlande und den größten Teil von Deutschland und Italien herrschten. Da Frankreich an einer Schwächung der Habsburger interessiert war, unterstütze es die protestantischen Fürsten im Ausland während im Inland die protestantische Bewegung unterdrückt wurde. Durch die hin- und herziehenden Heere wurden ganze Landstriche in Deutschland verwüstet. Weit mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung starb (von 18 Millionen überlebten 7 Millionen), im nördlichen Brandenburg betrug der Bevölkerungsverlust über 70%. Zählte man in Strasburg, Uckermark 1618 noch 250 Feuerstellen, d.h. etwa 2000 Einwohner, so lebten 1648 nur noch 9 Bürger (mit Familien und Gesinde also etwa 100 Personen) in den Ruinen der Stadt. Mannheim war z.B. ebenfalls fast vollständig zerstört. In diesem verheerenden Krieg gingen auch viele Aufzeichnungen und Kirchenbücher, so sie überhaupt geführt wurden, verloren. Der 30jährige Krieg ist daher für die meisten Familienforscher in Deutschland der Endpunkt ihrer Forschungen.

Der westfälische Friede von 1648 beendete den Krieg auf deutschem Boden, das Reich wurde ein Staatenbund praktisch souveräner Fürsten, die Religionsbekenntnisse wurden rechtlich gleichgestellt. Nord- und Mitteldeutschland, sowie die Pfalz und Württemberg blieben evangelisch, während die österreichischen Erblande, Bayern, und die großen geistlichen Fürstentümer im Rhein-Main-Gebiet und des Donaugebiets katholisch blieben. Der Friedensvertrag machte auch der politischen Macht des Papstes ein Ende. Papst Innozenz X. erklärte den Vertrag zwar für "null, nichtig, ungültig, unbillig, ungerecht, verdammenswert, ruchlos, sinnlos, bar jeder Bedeutung und Wirkung für alle Zeiten".

Die Karte des Deutschen Reiches nach 1648 (anklicken für Vergrößerung, 745Kb) zeigt deutlich die Zerrissenheit. So gehörte zu Brandenburg nicht nur das Kernland im Osten und Norden Berlins, sondern auch verstreute Flecken wie Kleve am Rhein. 
Die Bevölkerung Brandenburgs war lutherisch evangelisch (die Lutherstadt Wittenberg liegt in Brandenburg), die Hohenzollern Fürsten des Landes waren jedoch calvinistisch reformierten Bekenntnisses.

Die Pfalz

Nach dem Ende des 30 jährigen Krieges kamen wieder viele Religionsflüchtlinge aus Frankreich und siedelten sich insbesondere in der Kurpfalz rund um das heutige Ludwigshafen am Rhein an. So auch meine Vorfahren Guillaume FOUQUET und Susanne FIERET, die 1653 in Frankenthal heirateten. Guillaume stammte aus dem kleinen Ort Jeantes in der Thierache, seine Frau aus Cuiry-les-Iviers in der Nähe von Jeantes. Sie bauten gemeinsam mit vielen anderen Flüchtlingen aus Nordfrankreich und Flandern die zerstörten Dörfer und Städte wieder auf und lebten etwa 30 Jahre in relativer Sicherheit aber immer noch an der Grenze zu Frankreich. Wahrscheinlich hofften sie auch eines Tages in ihre Heimat zurückkehren zu können.

Etwa zur gleichen Zeit wie der Aufhebung des Edikts von Nantes 1685 kam es jedoch zu einem Krieg um die Pfalz. Der pfälzische Kurfürst Karl Ludwig hatte 1671 seine Tochter Elisabeth Charlotte, bekannt als Liselotte von der Pfalz mit dem Herzog Philipp von Orléans, dem Bruder Ludwigs XIV. verheiratet, um so sein Territorium durch verwandtschaftliche Beziehungen zum starken Nachbarn zu sichern. Allerdings vergeblich, so wurde die Pfalz 1674 während des Holländischen Krieges von französischen Truppen unter Marschall Turenne verwüstet. In der Folge beanspruchte Frankreich verschiedene Gebiete an der Westgrenze des Deutschen Reiches. Im kurpfälzischen Territorium waren dies vor allem das Amt Germersheim, Teile der Vorderen Grafschaft Sponheim und das Kloster Eußerthal als Filiale von Weiler-Bettnach in Lothringen. Die französischen Annexionen erreichten während der Regentschaft Kurfürst Karls II. (reg. 1680–1685), des Nachfolgers Karl Ludwigs, mit dem Fall der Reichsstadt Straßburg am 30. September 1681 ihren einstweiligen Höhepunkt. Als Karl II. 1685 nach kurzer Regierung kinderlos starb, erhob König Ludwig XIV. im Namen seiner Schwägerin Liselotte, der Schwester des verstorbenen Kurfürsten, Erbansprüche auf Teile der Pfalz.

Es entwickelte sich der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688-1697), der mit bis dahin nicht gekannter Brutalität nach dem Prinzip der "verbrannten Erde" geführt wurde. Systematisch wurden Städte, Dörfer und Burgen zerstört und eingeäschert, das Land noch schlimmer verwüstet als im 30 jährigen Krieg.

Damit waren die pfälzischen Hugenotten Siedlungen ebenfalls gefährdet und zahlreiche "Pfälzer" flüchteten bereits ab 1685 ostwärts nach Hessen aber auch bis nach Amerika.

Das Edikt von Potsdam

Als Ludwig XIV. am 18.Oktober 1685 das Edikt von Nantes aufhob und damit den reformierten Glauben verbot, erließ der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm, der "Große Kurfürst" bereits zehn Tage später am 29.Oktober 1685 das Edikt von Potsdam in dem er die "Evangelisch-Reformierten Französischer Nation" einlud, sich in seinen Landen niederzulassen. In diesem Edikt wurden ganz konkrete Hilfsmaßnehmen genannt, um die Flüchtlinge auf Schiffen und auf dem Landwege in die brandenburgischen Lande zu bringen. 

Hugo Vogel, Holzstich von 1885:

 Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der "große Kurfürst",

 empfängt die aus Frankreich geflohenen Hugenotten im Potsdamer Schloss

 

 

Sie erhielten außerdem unter anderen folgende Privilegien:

Abgabenbefreiung (außer für die Akzise, einer Art Mehrwertsteuer) für die ersten zehn Jahre ganz und für die zweiten zehn Jahre zur Hälfte.

Landzuweisungen und Baumaterial für Häuser und landwirtschaftliche Gebäude.

Freiheit vom Militärdienst und der Leibeigenschaft für "alle Zeiten".

Das Recht auf eigene Gerichtsbarkeit für Streitfälle innerhalb der Kolonie.

Einen eigenen Pastor und Räume für den Gottesdienst.

Gewerbefreiheit und freien Zugang zu den Zünften.

All diese Rechte wurden auch ausdrücklich den bereits vor Veröffentlichung des Ediktes Geflohenen zugesagt, ausgenommen waren nur französische Katholiken.
 
Hugenotten Geschichte allgemein

Die französische Kolonie in Strasburg/ Uckermark