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Im nächsten Kapitel befasst Tarnogrocki sich mit der Zahl der Einwanderer, ihrer Herkunft und den Berufsgruppen. Seine Quellen sind die alten Kirchenbücher, die ich ebenfalls eingehend erforscht habe. Hier möchte ich jetzt nur auf die Herkunft der Einwanderer eingehen und lasse wieder Tarnogrocki 1 zu Wort kommen:
"Die Strasburger Kirche wird von Anfang an als eine eglise walonne bezeichnet. Wallonen werden diejenigen Bewohner des ehemaligen französischen Flanderns, des Hennegau's, Lüttich's und Luxemburg's genannt, welche das sogenannte Wallonisch oder Altfranzösisch sprechen, das von einigen für den Überrest der alten gallischen Sprache gehalten wird. Der Protestantismus breitete sich in den genannten Gebieten unter Carl's V. Regierung aus; unter den Verfolgungen des kalten Tyrannen Philipp's II. begann eine Auswanderung. Auch diesen bedrängten Leuten, sowohl den Ausgewanderten, wie den Zurückgebliebenen, bot der große Kurfürst und nach ihm sein Sohn Friedrich III. seinen Schutz an.
Es lassen sich 3 Arten von Walloner - Kolonien unterscheiden: Die erste Art sind  die, welche von Herzog Alba verfolgt, auf Fürsprache der Königin Elisabeth von England in der Pfalz Aufnahme fanden, zu Mannheim, Heidelberg und Frankenthal sowie auf dem Lande Kolonien bildeten, die sich während eines Jahrhunderts in einem verhältnismäßig blühendem Zustande befanden. An diese schlossen sich nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes viele Flüchtlinge aus Frankreich an. Als 1689 die Pfalz durch die Scharen Ludwigs XIV. verwüstet wurde, mußten sie abermals fliehen. Dieser Art Wallonen gehört der größte Teil der Strasburger Kolonisten an, Flandern und Pfalz werden bei mehr als der Hälfte als Geburtsland bezeichnet, auch sprechen die Bezeichnungen au village desert, au pais desert, die hin und wieder zu finden sind, deutlich dafür.
Die zweite Art Walloner - Kolonisten sind die, welche 1699 geraden Weges aus Flandern und dem Hennegau nach Brandenburg kamen, und in Ruppin, Rheinsberg, Braunsberg und Hammelspring in der Uckermark seßhaft wurden. Es ist wohl möglich, daß auch von denen einige in der Liste der Strasburger Kolonisten aufgeführt sind. Bestimmtes läßt sich darüber nicht sagen. Ebensowenig ist klar, ob sich auch nach Strasburg Walloner der dritten Art gewendet haben, die, lange Scheinkatholiken, 1686 zu Mastricht zur evangelischen Kirche übertraten, von da nach Brandenburg gingen und in Klein-Ziethen, Lüdersdorf, Schmargendorf sich ansiedelten. Diese nannten sich selbst Hennegauer, weil sie aus dem Hennegau und zwar aus der Gegend von Mons oder Bergen herkamen. Die Wanderungen dauerten bis gegen Ende des Jahrhunderts."

(1) Dr. Otto Tarnogrocki, Geschichte der französischen Kolonie zu Strasburg in der Uckermark

 in: Die Kolonie (Jg.5, Juli 1881- Jg. 6, Dezember 1882)

Die Gründung der Kolonie

Das "gottesdienstliche Lokal" in Strasburg